Abbildung: Asset-Lebenszyklus am Beispiel „MS-Leitung“: Zukunftsfähiges Datenmodell als Basis für kfm./reg./techn. optimierte Asset-Bewirtschaftung

Die Energiewende stellt Betreiber von Versorgungsnetzen, insbesondere für Gas, Strom und Wärme, vor die Herausforderung, die Weiterentwicklung ihrer Netze und Anlagen kaufmännisch und technisch deutlich differenzierter als bislang erforderlich zu beplanen. Der wesentliche Treiber sind die anstehenden, massiven Investitionen in den Infrastrukturneu- bzw. -umbau. Sie sind notwendig, um die langfristigen Ziele im Bereich der Dekarbonisierung, beim Ausbau erneuerbarer Energiequellen sowie bei der Dezentralisierung der Energieerzeugung zu erreichen. Als Konsequenz steigen bei den Netzbetreibern die Anforderungen der tangierten Fachabteilungen wie Netzwirtschaft, Finanz- und Rechnungswesen, Controlling, Bau und Betrieb an die verwendeten Datenmodelle. Wesentliche Kriterien sind dabei die Verfügbarkeit, Qualität und Granularität der Daten. Die Datenverfügbarkeit bezeichnet, ob und welche Daten aus den Systemen für eine fundierte kaufmännische, regulatorische und technische Planung bereitgestellt gestellt werden. Die Datenqualität hängt davon ab, ob die verfügbaren Daten aktuell, vollständig und korrekt sind. Die Datengranularität wiederum misst, ob die bisherige Erfassung und Aufbereitung der Daten detailliert genug und damit für erhöhte Ansprüche geeignet ist. Diese Entwicklung betrifft die verschiedenen Versorgungssparten gleichermaßen, wobei die regulatorischen Vorgaben und die geopolitische Rahmenbedingungen die Situation speziell in den Sparten Strom und Gas nochmals verschärfen. Auf der funktionalen Ebene ist es vor allem das Asset Management, das als Drehscheibe zwischen den wesentlichen Unternehmensbereichen besonders herausgefordert wird. Dass sich die Situation zuspitzt, hat mehrere Ursachen.   Was fehlt den Datenlandschaften in der Energiewirtschaft? Zunächst sind die heute genutzten Datenmodelle oftmals historisch den in verschiedenen Einheiten der Unternehmen gewachsen. Bei der Konzeption der Modelle und bei der Sammlung der Daten fand typischerweise keine interdisziplinäre bzw. bereichsübergreifende Betrachtung satt. Darüber hinaus gab es in der Regel keine ganzheitliche Bewertung einer optimalen Gesamtlösung. Diese würde erreicht, indem man ermittelt, welche Informationen die unterschiedlichen Anwender wie z.B. kaufmännische und technische Abteilungen nutzen, und diese Erkenntnisse in dem Modell berücksichtigt. Weiterhin leiden die heute genutzten Datenmodelle oftmals darunter, dass die IT-Systemlandschaften fragmentiert und an den Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Funktionsbereichen nur unzureichend oder nicht miteinander verknüpft sind, beispielsweise, wenn bei einem Netzbetreiber der technisch-betriebliche, der bauende und der kaufmännische Bereich verschiedene Systeme nutzen. Die Folge sind regelmäßige Systembrüche und händische Eingriffe, mit unvermeidbaren Ineffizienzen und Fehlerquellen. Zudem sind keine Vergleichbarkeit zwischen den Funktionsbereichen und keine übergreifende Steuerung möglich, weil die gemeinsame Datengrundlage fehlt. Die wechselnden Anforderungen an die Datenerhebung und sich ändernde Datenerfassungs- und Verwaltungsprozesse stellen die betroffenen Unternehmen ebenfalls vor große Herausforderungen. Besonderer Handlungsdruck entsteht durch einen Faktor, dessen Gewicht heute so groß ist wie nie zuvor, nämlich die Frage der Allokation der Investitionsmittel. Einerseits stehen viele Versorgungsunternehmen vor einem Investitionsstau, und müssen entscheiden, in welche der oft überfälligen Projekte und Maßnahmen sie zuerst investieren. Die Dekarbonisierung stellt dabei mitunter ganz neue, zusätzliche Anforderungen, wie etwa die Notwendigkeit von Desinvestitionen. Diese könnten bald in einem nie da dagewesenen Umfang nötig werden, falls zum Beispiel das Gasnetz in einem signifikanten Umfang zurückgebaut werden muss. Gleichzeitig müssen die Versorger, um bei der Energiewende und Zukunftsthemen wie der dezentralen Stromversorgung handlungsfähig zu bleiben, massiv investieren und mitunter komplett neue Netze bauen – und das, während sie bereits mit den aktuellen Herausforderungen zu kämpfen haben. Sie stehen einmal mehr vor der Frage, wo sie die knappen Mittel allokieren.   Gute Entscheidungen im gesamten Lebenszyklus der Assets In der Folge bieten die oftmals grobkörnigen, veralteten und nicht über Fachabteilungen hinweg integrierten Datenmodelle keine ausreichende Basis, um mit komplexen Fragestellungen souverän umgehen zu können. Gerade im Asset Management fällt es zunehmend schwer, strategische Prioritäten zu definieren und Entscheidungen unter Berücksichtigung kaufmännischer, technischer und regulatorischer Gesichtspunkte zu treffen. Das folgende Beispiel verdeutlicht die Bedeutung des Datenmodells. In diesem Fall ist eine Trafostation im IT-System des Betreibers strukturiert angelegt – allerdings werden die technischen Zustände der verschiedenen Bauteile im Betrieb nur bedingt strukturiert erfasst und nicht vollständig mit den kaufmännischen Daten und Informationen zur Trafostation synchronisiert. Die Folge: Die kaufmännischen Implikationen der technischen Zustände des Assets „Trafostation“ sind oftmals unklar. Somit fehlt ein wichtiger Baustein als Grundlage, um die kaufmännischen Auswirkungen einzuschätzen und z.B. auf Basis einer Zustands-/Wichtigkeits-Matrix Investitionsentscheidungen zu treffen. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass ein performantes Datenmodell die Grundlagen sowohl im kaufmännischen (Langfristige, mittelfristige und Jahresplanung) als auch im technischen Planungsprozess (Grobplanung, Feinplanung, Bau, Betrieb, Rückbau) liefert. Dadurch ermöglicht es die integrierte Optimierung beider Prozesse und liefert die notwendigen Informationen, um Investitions- und Unterhaltsentscheidungen konsistent und aussagekräftig zu treffen.     Auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Datenmodell Welche Schritte sind nun notwendig, um Datenmodelle aufzubauen, die ein nachhaltig erfolgreiches, zukunftsfähiges Asset Management unterstützen? Hier lassen sich vier wesentliche Aspekte definieren. 1. Erfassung der Informationsbedarfe: Die Basis für die weitere Planung sollte immer die Ermittlung der Informationsbedarfe der involvierten Fachabteilungen sein, um Klarheit und Transparenz hinsichtlich der zukünftigen Anforderungen zu erhalten. Weiterhin ist zu klären, wie Daten aufgenommen und konsolidiert werden sollen. Hierzu ist ein Gesamtüberblick notwendig, z.B. welche Fachabteilung welche Daten in welcher Qualität, Granularität und Aktualität benötigt. 2.Modellentwicklung und Definition der „Bezugsobjekte“: Die tangierten Fachabteilungen (insbesondere Assetmanagement, Netzwirtschaft, Finanz-Rechnungswesen, Controlling, Bau und Betrieb) definieren gemeinsam die relevanten „Bezugsobjekte“ für das Datenmodell. Ein Bezugsobjekt kann z.B. ein bestimmter Versorgungsabschnitt, eine Stichleitung in einer Ortschaft, eine Armaturengruppe oder eine Ortsnetzstation sein. Bei der Definition eines Bezugsobjektes hilft die Orientierung am Kriterium des „eigenständigen, aktivierbaren Wirtschaftsguts“. In Bezug auf das Datenmodell muss das Bezugsobjekt den sogenannten Mindestdetaillierungsgrad abdecken. 3.Ableitung von „Datenstrukturen“: Da jede Fachabteilung andere Anforderungen an die notwendigen Informationen zu einem Bezugsobjekt hat, werden, basierend auf den erfassten Anforderungen, für jede Fachabteilung die notwendigen Datenstrukturen als Modell aufgebaut. Im Bereich Bau/Projektumsetzung z.B. werden häufig PSP-Elemente als die führende Größe für Datenstrukturen verwendet. Daraus ergeben sich zu einem Bezugsobjekt nach Fachabteilungen geclusterte Datenstrukturen. Wesentlich ist, dass die verschiedenen Datenstrukturen zu einem Bezugsobjekt in ihrem Aufbau synchronisiert sind und „zueinander passen“, bzw. inhaltlich zueinander gemappt werden. Im Ergebnis werden die Datenstrukturen für alle Bezugsobjekte nach den individuellen Anforderungen der Fachabteilungen abgebildet. 4.Modellumsetzung: Zunächst werden die notwendigen IT-technischen Anpassungen und sowie die Entwicklungsschritte als Anforderungskatalog abgeleitet. Auf dieser Basis wiederum erfolgt die technische Realisierung. Die Verknüpfung fachlicher Anforderungen an die Datenausprägung mit den Möglichkeiten technologischer Tools zur Abbildung der Daten ermöglicht eine iterative und kontinuierliche Optimierung..

Mehr lesen
THG-Quotenübertragung als Instrument zur Bindung der Kundschaft - wie EVUs und Stadtwerke vom THG-Quotenhandel für Privatleute profitieren können

Seit Anfang 2022 können auch Personen, die ein reines Batterie-Elektrofahrzeugs (BEV) besitzen, von der sogenannten Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) profitieren. Diese wendete sich zu Beginn nur an Betreibende öffentlicher Ladepunkte und wurde eingeführt, um CO₂-Emissionen im Verkehrssektor zu senken. Ziel ist es, klimaschädliche Mobilität immer teurer, klimaschonende Fortbewegung dagegen immer günstiger werden zu lassen. Die Höhe der jährlichen THG-Minderungsquote legt die Bundesregierung fest: aktuell sind es 7%, 2030 sollen es bereits 25% sein. Mineralölunternehmen müssen dabei den CO₂-Ausstoß ihrer fossilen Treibstoffe mit CO₂-Zertifikaten elektrischen Stroms kompensieren, der als nachhaltige Antriebsenergie im Verkehrssektor genutzt wird. Dieser wird mit dem dreifachen seines Energiegehaltes für die Erfüllung der Treibhausgasminderungs-Quote angerechnet. Seit das Instrument vor neun Monaten eingeführt wurde, haben bereits zahlreiche EVUs, Stadtwerke und andere Unternehmen die Chance ergriffen und bieten ihrer Kundschaft die Abwicklung der Vermarktung ihrer THG-Quoten an. Haltende von Elektroautos (BEV), E-Motorrädern und E-Rollern mit privaten Ladepunkten können sich die CO₂-Einsparung ihres E-Fahrzeugs jährlich bescheinigen lassen und das von ihnen eingesparte CO₂ “weiterverkaufen”: mit dem aktuellen Durchschnittswert von ca. 350 kg CO₂ p.a. bei einem E-Auto lassen sich somit etwa 350-400 Euro im Jahr verdienen.   Die meisten Stadtwerke und Energieversorger haben in der Vergangenheit bereits die Quoten ihrer öffentlichen Ladeinfrastruktur abgerechnet, die sie selbst betreiben. Durch die gebündelte Abwicklung von Ladestromquoten der E-Auto-Kunden können sie ihr eigenes abrechenbares Portfolio ausweiten, was ihnen ermöglicht, bessere Erlöse im Quotenhandel erzielen. Aktuell sind für EVUs/Stadtwerke Zusatzerlöse von ca. 15 ct/kWh realistisch. Quotenübertragung als Akquise-Modell für Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerke Doch abgesehen von diesen zusätzlich generierten Einnahmen haben viele Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerke offenbar noch nicht erkannt, welchen Zusatznutzen ihnen die THG-Quotenübertragung bringt. Gerade die Einfachheit des Serviceangebots sowie die Höhe der Erlöse für die E-Auto-Besitzenden machen eine THG-Quotenvermarktung für Stadtwerke/EVUs zu einem attraktiven Instrument der Akquise und langfristigen Kundenbindung. In einer zunehmend intensiven Wettbewerbslandschaft sind Kundenbindung und „Customer Lifetime Value“, also der durchschnittliche Umsatz, den die Kundschaft während ihrer gesamten Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen erzielt, auch für Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerke die zentrale „Währung“. Drei Faktoren sind entscheidend für eine erfolgreiche Zielgruppenbindung. Zum einen klare, auch finanzielle Vorteile für die Kundschaft, beispielsweise durch exklusive Angebote von Energie- & Querverbundleistungen. Zum anderen eine bedürfnisorientierte Ansprache, die die kaufinteressierte Person als Individuum mit ihren Bedürfnissen aus der Masse heraushebt, und zuletzt ein spürbarer Komfortgewinn für die kaufende Person.   Doch um seine Zielgruppe erfolgreich zu binden und mit ihr Umsatz generieren zu können, muss man ihre Bedürfnisse kennen. Die Kundendaten aus der THG-Quotenübertragung bedeuten deshalb einen richtigen Datenschatz, den es zu heben gilt! Damit können Energieversorgungsunternehmen und Stadtwerke ihr Wissen über ihre Kundschaft ausbauen und ihr Produktportfolio entsprechend anpassen. Digitales Zielgruppenmanagement hat großes Potenzial Tatsächlich steckt im digitalen Zielgruppenmanagement und der Nutzung der Kundendaten in digitalen Geschäftsmodellen großes wirtschaftliches Potenzial für Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen. So ermöglicht beispielsweise eine Vernetzung ihrer unterschiedlichen Angebote auf einer zentralen digitalen Plattform Stadtwerken, die Präferenzen ihrer Kundschaft und ihr Konsumverhalten genauer nachvollziehen und eine Wertanalyse der Kundschaft vornehmen zu können. Entsprechend leistungsfähige Lösungen zur Digitalisierung und Vernetzung der unterschiedlichen kommunalen Angebote sind bereits am Markt verfügbar. War eine ganzheitliche Sicht auf das einzelne Profil, auf Verträge sowie das Konsum- und Mobilitätsverhalten der Kundschaft bisher kaum möglich, eröffnen neue Technologien nun erstmals eine 360°-Sicht hierauf. Das eröffnet Optionen für Cross-Selling-Modelle zwischen verschiedenen kommunalen Angeboten und zielgruppenspezifische Bündelprodukten im Querverbund, was allen Beteiligten einen deutlichen Mehrwert bietet. Und ganz entscheidend: Zielgruppendaten sowie die Datenhoheit verbleiben in der Hand der Stadtwerke/EVUs, statt an Drittanbietende abzufließen. Eine spannende Option zum Ausbau des Customer Lifetime Value besteht z.B. darin, die Personendaten aus der THG-Quotenvermarktung mit jenen im ERP-System bereits hinterlegten Personendaten des Energieversorgungsbereichs abzugleichen. Das System zeigt dann beispielsweise, dass Strom- und Gaskundin Frau Müller ihr E-Auto regelmäßig in der Nähe ihrer Wohnung auflädt, also offenbar noch keine eigene Wallbox besitzt. Stadtwerke könnten zudem die Personendaten ihres ÖPNV und weiterer Geschäftsfelder des Querverbunds integrieren. So entsteht ein umfassendes Profil der kaufenden Person. Das Ziel: eine 360°-Sicht auf Kunden und deren Konsum- und Mobilitätsverhalten. Mit diesem Detailwissen lassen sich individuelle Angebote entwickeln, bereichsüberspannende Klientelbindungskonzepte umsetzen und differenzierte Erlösmodelle für Endkonsumierende erproben, die den Wettbewerb außen vor lassen. Gerade die eigenen Leistungen und Serviceangebote im Querverbund bieten einen Vorteil im Wettbewerb mit externen White-Label-Anbietenden. Zudem gehört die Ansprache per Gießkanne – also an alle – der Vergangenheit an. Die Wertschöpfung mit der einzelnen Kundschaft lässt sich spartenübergreifend über das gesamte Angebotsportfolio steigern, egal, ob E-Mobility, digitales Parken, ÖPNV oder Bäder. Durch eine individuelle Ansprache und Pflege der Kaufinteressierten steigt in der Regel auch deren Loyalität und die Preisentwicklung ist nicht mehr das zentrale Argument. “Wir, die Stadtwerke Troisdorf, ermöglichen unseren Kunden den Wechsel in einen nachhaltigen Lebensstil und gestalten diesen für sie so komfortabel wie möglich. Das gilt auch für das Thema THG-Quote, das für viele Kunden noch Neuland ist“, erklärt Alexander Eckner, Bereichsleiter Kunde & Markt bei den Stadtwerken Troisdorf. „Die THG-Quote bietet eine klassische Win-Win-Situation mit enormem Potenzial. Wir haben deren Vorteile erkannt und möchten unseren bestehenden und potenziellen Kunden hier ein 360°-Erlebnis bieten. Dazu gehört auch, dass wir unsere Prozesse und Kommunikation intelligent digitalisieren und vernetzen, denn Schnelligkeit ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.“ Über K.LAB K.LAB treibt seit 2016 Innovations- und Produktentwicklungen für einen Kreis von Partner-EVUs voran. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der m3 management consulting. Weitere Informationen unter www.klab-innovation.de und sophie.kiefer@klab-innovation.de.

Mehr lesen
Stadtwerke Osnabrück suchen komplett neues Führungsteam

Im Mai hat Stefan Grützmacher nach dem Weggang von Christoph Hüls den Interims-Vorstandsvorsitz übernommen. Jetzt geht mit Dr. Stephan Rolfes ein weiteres Vorstandsmitglied vorzeitig.  Er ist der Mobilitätsvorstand bei den Stadtwerken Osnabrück (SWO). Nun hat Stephan Rolfes angekündigt, zum 15. Oktober dieses Jahres in den Ruhestand gehen zu wollen. Der Aufsichtsrat hat dieser Entscheidung in seiner zurückliegenden Sitzung zugestimmt. Rolfes geht damit ein halbes Jahr früher als geplant. Wie ein Sprecher gegenüber der Redaktion mitteilte, begründet er dies mit dem vorzeitigem Abschluss dreier zentraler Maßnahmen − Busnetzreform, Elektrifizierung der Metrobus-Linien sowie Bau des Containerterminals am Osnabrücker Hafen. Ursprünglich habe Rolfes, der in diesem Dezember 66 Jahre alt wird, seinen Ruhestand zum 31. Dezember 2020 geplant, seinen Vertrag aber nochmals bis zum 31. März 2023 verlängern lassen, um diese drei Themen abzuschließen. Diese drei Maßnahmen seien jetzt “auf der Straße und Schiene”, sodass der Wechsel in den Ruhestand vorgezogen wird. Die leitende Funktion bei den Stadtwerken hatte Rolfes 22 Jahre inne. Im April dieses Jahres war bereits der Vorstandsvorsitzende Christoph Hüls vorzeitig aus seinem Amt ausgeschieden. Die Suche nach einem komplett neuen Stadtwerke-Vorstandsteam ist laut dem Versorger bereits angelaufen. Auch ein Personalausschuss sei bereits gebildet worden. Bis das neue Leitungsduo feststeht, verantwortet Stefan Grützmacher als Interims-Vorstandsvorsitzender allein die Geschicke der Stadtwerke. RT zeitung_energie “Stadtwerke Osnabrück suchen komplett neues Führungsteam: Im Mai hat Stefan Grützmacher nach dem Weggang von Christoph Hüls den Interims-Vorstandsvorsitz übernommen. Jetzt geht mit Dr. Stephan Rolfes ein… https://t.co/MujRLnyk8b #energie #energiemanagemen… — Anderson (@johnturnersn) September 19, 2022 Die Stadtwerke Osnabrück haben, wie bereits bekannt wurde, im Energiehandel viel Geld verloren. Vor allem Strom habe man in zu geringen Mengen eingekauft, wie Grützmacher bei seinem Amtsantritt mitteilte. Da man diese Fehlentscheidungen erst so spät bemerkt habe, hat er angekündigt, das Controlling und Risikomanagement neu bewerten zu wollen. Im Juli hatten die Stadtwerke Belegschaft und Bevölkerung auf Einschnitte im Personal und im Bäder- und ÖPNV-Angebot vorbereitet (wir berichteten).

Mehr lesen
Pioniergeist, Verantwortungsbewusstsein, Empathie: Die Vorsitzende der Geschäftsführung der DEW21 steht für alles, was gutes Management ausmacht. Nun wurde sie dafür ausgezeichnet.

Pioniergeist, Verantwortungsbewusstsein, Empathie: Die Vorsitzende der Geschäftsführung der DEW21 steht für alles, was gutes Management ausmacht. Nun wurde sie dafür ausgezeichnet. Männer schweigen. Für Anzugträger, dominant in den Führungsetagen der Energiewirtschaft, eine eher ungewohnte Übung. Aber die Regie der Energiemanager-Konferenz in Dortmund bewies ein feines Gespür mit der Entscheidung, eine Frau mit der Lobrede über eine Frau zu betrauen. Spitzenfunktionärin Kerstin Andreae war es vorbehalten, Spitzenmanagerin Heike Heim für ihre Auszeichnung zur „Energiemanagerin des Jahres“ zu würdigen. Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) machte anfangs indes kein großes Aufhebens um das ungleiche Geschlechterverhältnis in den Führungszirkeln. In den Vordergrund rückte sie Heike Heims Leistung als Vorsitzende der Geschäftsführung Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW21). Andreae stellte im Turm des Dortmunder U – einem markanten, ehemaligen Brauereistandort – Heims Pioniergeist, ihren Einsatz für eine moderne Organisationskultur und die Bereitschaft heraus, „Verantwortung über das Unternehmen hinaus zu übernehmen“. Als Pionierin erlebt Andreae die Chefin des Dortmunder Versorgers, weil sie seit ihrer Amtsübernahme im Juli 2017 die DEW21 über die klassischen Aufgaben hinaus auch in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaneutralität, Kundenzentrierung und der digitalen Souveränität voranbringe. Gerade in der für die Klimaneutralität entscheidenden „Königsdisziplin“, der Wärmeversorgung, seien Heims Ideen beispielhaft, so Andreae. Dortmund entwickelt verschiedene Projekte. In Kooperation mit den vor Ort ansässigen Deutschen Gasrußwerken etwa nutzt DEW21 deren industrielle Abwärme. Eine Wärme-App erfasst relevante Daten inzwischen so, dass eine gebäudespezifische Wärmebedarfskarte zur Verfügung steht. Diese erleichtert dem Versorger Netzplanung, Vertriebskampagnen und Neukundenakquise.   “Mit Empathie und Herz” Angesichts der Energiekrise sei es besonders wichtig, so Andreae, die von hohen Gas- und Strompreisen befeuerten Existenzängste von Privatleuten und Gewerbetreibenden „mit Empathie und Herz“ zu begleiten. „Wir brauchen in der Branche Persönlichkeiten, die öffentlich sichtbar und engagiert sind, die erklären können und denen man vertraut.“ Heike Heim sei eine solche Persönlichkeit, weil sie ehrenamtlich auch der Dortmunder Tafel, einer Hilfsorganisation für Lebensmittelspenden, als Schirmherrin ein prominentes Gesicht gebe. Eine zwölfköpfige Jury hatte ihre Wahlentscheidung für die „Energiemanagerin des Jahres“ im Juni veröffentlicht (wir berichteten). Unter 24 Preisträgern seit 2001 ist Heim erst die zweite Frau nach Marie-Luise Wolff, die 2019 für ihre Arbeit als Vorstandsvorsitzende der Entega AG die Auszeichnung erhalten hatte. Zwei Dutzend Preisverleihungen in 21 Jahren ergeben sich übrigens daraus, dass im Jahr 2010 gleich vier Herren den Titel unter sich aufteilten. Für den Preis arbeiten Energie & Management, die Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) und die Unternehmensberatung m3 management consulting zusammen. Dass es keine Selbstverständlichkeit ist, als Frau einen Energieversorger zu führen, war Andreae dann doch noch ein paar wichtige Silben wert. „Es ist dir sensationell gelungen, dich als Frau in der Branche zu behaupten.“ Heim begleite und initiiere Frauennetzwerke und sende so Signale an junge Frauen, sich in der „spannenden Branche“ zu engagieren. Konzertierte Aktion von Politik, Lieferanten und Versorgern nötig Bescheiden blieb Heim in ihrer Replik. Sie hob die Teamleistung hervor, für die sie letztlich den Ruhm ernte. „Das ist eine riesige Anerkennung für den Weg, den wir als DEW21 gemeinsam gehen.“ Dass es sie persönlich außerordentlich freut, ließ sie durch eine launige Anekdote erkennen. Als Helmut Sendner, Herausgeber von Energie & Management und Erfinder des Preises, sie über die Entscheidung der Jury informierte, „ist mir das Telefon aus der Hand gefallen“. Im Gespräch mit Christian Held (BBH) und Christof Spangenberg (m3) brachte Heike Heim ihre Hoffnung zum Ausdruck, die Auswirkungen des Preisschocks auf den Energiemärkten im Sinne der Kunden und zum Wohle der Gesellschaft „in den Griff zu bekommen“. Dafür sei allerdings eine konzertierte Aktion von Politik, Lieferanten und Versorgern nötig. Aus Heike Heim sprach schließlich noch tiefe Dankbarkeit. Auf die Frage von E&M-Chefredakteur Stefan Sagmeister, wie sie die Belastung eigentlich stemme, sagte sie auch: „Mein lieber Mann hält mir den Rücken frei.“ Ein Satz, der nachklingt, weil man ihn in der Energiebranche in dieser Form eben nicht allzu häufig hört. Mehr Information zum Preis finden sich im Internet.

Mehr lesen

Seit dem 1. September hat der Bundesverband Bioenergie (BBE) mit Wolf-Dietrich Kindt eine neue Führungsspitze. Seit Beginn dieses Monats ist Wolf-Dietrich Kindt Geschäftsführer des BBE am Standort Berlin. Er stößt, wie der Bundesverband Bioenergie gegenüber der Redaktion mitteilte, an die Seite des Geschäftsführers Bernd Geisen, der den Verband am Standort Bonn leitet. Zudem hat Kindt, wie es weiter heißt, die Geschäftsführung der im BBE integrierten Fachabteilung Holzenergie übernommen. Er folgt auf Matthias Held, der laut BBE den Verband aus privaten Gründen verlassen hat. Kindt berichtet direkt an den Verbandsvorstand. Zuvor war der 41-Jährige unter anderem tätig als Referent für den Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie sowie als Pressemitarbeiter beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom).

Mehr lesen